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Fallbeispiel: Wie eine junge Frau wieder in Kontakt mit ihrer Seele kam

15. Oktober 2021 von Eva Guru Sant Kaur Pawlas

Fallbeispiel: Wie eine junge Frau wieder in Kontakt mit ihrer Seele kam

Sie litt an unklaren, andauernden Bauchschmerzen und immer wiederkehrenden Kopfschmerzen. Helene ist eine alleinlebende, schlanke, eher zurückhaltend wirkende Juristin Ende 20. Eine Freundin hatte ihr Yogatherapie empfohlen, um der Ursache ihrer ständigen Schmerzen auf den Grund zu gehen. Sie war bereits bei vielen Ärzt*innen gewesen und hatte alles Mögliche versucht. Sie hat Schmerzmittel eingenommen und eine Gastroskopie durchführen lassen. Das Ergebnis war jedes Mal ernüchternd - die Untersuchungen führten weder zu einer klaren Diagnose noch zu einer hilfreichen Behandlung.

Nach Begrüßung und yogischem Einstimmen befragte ich sie zu ihren Bauschmerzen: Wie fühlen sie sich an? Drücken sie, stechen sie, sind sie eher knetend? Vor allem: Wie lange schmerzt der Bauch eigentlich schon? Helene überlegte und realisierte zum ersten Mal, dass diese Bauchschmerzen sie quälen, seitdem sie denken kann. Ich konnte regelrecht sehen, wie sie sich erinnerte, wie Bilder in ihr wachgerufen wurden. Ich ermutigte sie, diese Bilder mit mir zu teilen. Mit Tränen in den Augen berichtete sie, dass diese drückenden Schmerzen zum ersten Mal über mehrere Tage aufgetreten waren, als ihre geliebte Großmutter gestorben war. Helene war damals neun Jahre alt gewesen. Ihre Oma war der Fels in der Brandung, zu der sie immer kommen konnte. Sie hatte ihr Lieder vorgesungen, wenn sie traurig war, sie oft in den Arm genommen und getröstet. Und dann war sie plötzlich nicht mehr da und der Bauch tat so weh.

Wie es zur Kehrtwende kam
Ich lud Helene ein, gemeinsam „Ardas Bahee“ zu singen. Das Mantra wirkt an sich heilend und verbindend. Im Herzlotus-Körper-Mudra stellte Helene eine Verbindung zu ihrem Herzzentrum her. Durch das gemeinsame Chanten verband sich Helene wieder mit ihrem Herzen und ihrer Seele. Im Verlauf der nächsten Yogatherapie-Stunden ging Helene immer tiefer auf Selbstentdeckungsreise ihrer verschiedenen körperlichen Symptome. Sie entdeckte in der gemeinsamen Arbeit, dass die Bauchschmerzen fast immer auftraten, wenn sie sich ängstlich, einsam oder hilflos fühlte.

Wenn sie sich selbst wegen der Arbeit unter Druck setzte oder sich unter Druck gesetzt fühlte, reagierte sie eher mit Kopfschmerzen. Es war gar nicht so leicht für sie, sich einzugestehen, dass sie auch als kompetente junge Frau und erfolgreiche Juristin tiefe Ängste und Verletzlichkeiten in sich trug. Gut war, dass Helene für sich herausfand, dass ihre Bauchschmerzen sowohl beim Singen von Mantren als auch beim Entspannen in der Badewanne zunehmend verschwanden.

Was Helene in ihrem Leben geändert hat
Helene entwickelte eine gesunde Achtsamkeit für sich. Sie stellte auch ihre Ernährung um und weiß nun besser, was ihr guttut und was nicht. Und sie setzt sich selbst immer weniger unter Druck. Einmal wöchentlich geht sie jetzt zum Kundalini-Yoga-Kurs. „Ardas Bhaee“ ist ihr tägliches Mantra geworden. Die Bauchschmerzen und Kopfschmerzen sind deutlich weniger geworden.

Besonders hilfreich ist für meine Klientin das Verständnis aus dem Kundalini Yoga, dass unsere Seele ein unverletzlicher Ort in uns ist und wir Menschen uns über das Mantra „Sat Nam“ immer wieder mit unserer Seele verbinden können. Helene beruhigt das Wissen, dass zwar ihr Körper und auch ihre Psyche erkranken können, ihre Seele jedoch immer unverletzlich und ein sicherer, heiler Ort in ihr ist. Dieses Wissen ist ein neuer heilender Anker für Helene geworden.

Seelen leiden nicht
Die spirituellen Hintergründe des Yoga lehren uns, dass Seelen sich in Körper inkarnieren, um mit ihnen eine menschliche Erfahrung auf der Erde zu machen. Mit dem letzten Atemhauch verlassen sie den Körper auch wieder. Nach unserem yogischen Verständnis können der Körper (Soma) oder die Psyche (Geist, mentale Ebene, Verstand) erkranken, jedoch nie die Seele. Die Seelen leiden nicht. Es gibt auch keine „armen Seelen”, weil die Seele das höhere Selbst ist, das aus der Urquelle der Schöpfung kommt.

Psyche und Körper können sich als Getrenntheit erleben und im Laufe ihrer irdischen Lebenserfahrung die Verbundenheit mit der Seele als Urquelle vergessen. Dieser Mangel an Ur-Vertrauen kann im Alltag zu emotionalen und psychologischen Erschütterungen führen, so dass Körper und Psyche mit größeren und kleineren Beschwerden reagieren.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt – und diese Ansicht basiert auf unzähligen Gesprächen und jahrzehntelanger Erfahrung in meiner Arbeit mit Klienten – dass Seelen selbst nicht krank werden. Es sind stets Geist oder Körper, die leiden. Psychosomatisch betrachtet beginnt jede Erkrankung mit seelisch-mentaler Dysbalance, in deren Folge körperliche Dysfunktionen auftreten, wenn Signale des mentalen Unwohlseins oder gar Gefühle des Unglückseins nicht wahrgenommen werden. Wie oft unterdrücken wir solche Signale? Zu oft vermutlich, angesichts der zahlreichen Erkrankungen, die zeitweilig auch in unserem eigenen Leben auftreten.

Erkenntnis wirkt heilend
Ist der psychosomatische Auslöser gefunden, geschieht immer wieder Wunderbares: Symptome oder Erkrankungen erfahren keine Ablehnung und inneren Widerstand mehr. Die auslösenden Erlebnisse können integriert werden und die Erkenntnisse um die eigenen psychosomatischen Zusammenhänge wirken heilend. Kundalini Yoga ist dafür ein wunderbarer Unterstützer.

Grundsätzlich können wir alle ganz individuell für unseren Körper und unsere Psyche das passende Hilfsmittel aus dem Kundalini Yoga finden, um damit unsere Seele zu unterstützen. Wir müssen nur damit anfangen, wie Helene mit „Ardas Bahee“.

Über Eva Guru Sant:
Eva Guru Sant Kaur Pawlas ist Kundalini-Yoga-Therapeutin, Ausbilderin in der Fachausbildung Yoga-Therapie und KYLA Stufe1.

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